Hier ist Sanaphantastron!

Wer Musik komponiert, ist immer - ob bewusst oder

unbewusst - davon beeinflusst, was er selbst gern hört.

Hard- und Glamrock

Mit ersten Band-Erfahrungen in der ersten Hälfte der 1970er Jahre wäre es unglaubwürdig, Einfüsse vom Glamrock zu bestreiten. Hätte man sich absichtlich dagegen gewehrt, so wäre es schließlich auch ein Einfluss. Das taten wir aber genau so wenig, wie wir uns so manchen Einfluss offen eingestanden.

Wir spielten zunächst Rhythm and Blues, Zwölftakter-Blues rauf und runter. Man schnappte Themen von The Shadows auf. Die Verstärker wurden aufgedreht, dass es nur so krachte - und manchmal auch rauchte... Wir freuten uns über jeden elektronischen Effekt, der für noch mehr Verzerrung sorgte.

 

Dazu Gesang, der nur aus wenigen spontan erfundenen Versen bestand. Für Partys und Gigs toupierten wir unsere langen Haare, schminkten unsere Gesichter, trugen mit Silber- oder Goldbronze aus dem Farbengeschäft angepinselte Plateau-Stiefel und verrückte, mitunter feminin anmutende Klamotten.

Man hörte Musik von Chart-Bands, wie T.Rex, Slade, The Sparks, Nazareth und Alice Cooper. Oft wurden solche Bands und Musiker vor ihren ersten großen Hits zur Underground-Musik-Szene gerechnet. Das wertete sie ungemein auf. Als weniger wertig galten von Chinnichap produzierte Stars und Bands wie Suzi Quatro und Mud. Die ebenfalls von Mike Chapman und Nicky Chinn produzierten The Sweet waren unter uns werdenden Musikern bald als Teenie-Popper-Band verschrien. Sie brachten aber auf den B-Seiten ihrer Singles oft durchaus gute und von ihnen selbst komponierte Hard-Rock-Nummern. Dann waren da auch noch Ufo, Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heep, Roxy Music, David Bowie und Rory Gallagher. Man wurde ernster genommen, wenn man sie als Vorbilder nannte.

Alles was wir hörten und sahen, griffen wir auf. Neigten dabei, zu übertreiben. Obwohl in Deutschland zu dieser Zeit noch gänzlich unbekannt, war es wohl schon so etwas wie Punk, was dabei herauskam. Auf dem Schulfest vorgetragen, fühlten wir uns wie Stars, zeigten alle nur erdenklichen dazu gehörenden Allüren. Beendeten unseren Auftritt zum Erschrecken des Publikums, als es sich tanzend auf unseren Sound eingestimmt hatte, mit einem Streit über unsere Musik. Aber die Show machte uns Spaß. Wir setzten sie im Alltag fort, sprengten damit so manche Unterrichts-Stunde in der Schule.

Ohne dass man diesen Begriff damals verwendete, wollten wir anfänglich eigentlich den Glamrock unserer Vorbilder machen. Wahrscheinlich wirkte es aber eher, wie eine Persiflage davon. Zunächst mit Bezug auf Gary Glitter parodierten wir aber bald mit voller Absicht auch andere unserer bisherigen Idole. Wir suchten neue Vorbilder und wurden in den Bereichen vom Krautrock, Progressive Rock und Space-Rock fündig. Dennoch wird man die ersten Einflüsse nie ganz ablegen können, selbst wenn man es wollte. An irgendeinem Punkt gelangt man immer wieder ein Stück weit "back to the roots".


Elektronik- und Krautrock

Als unsere Musik Mitte der 1970er Jahre an Eigenständigkeit gewann, wir uns nicht mehr an der Musik aus den Charts orientierten, begann unser Interesse für unbekanntere Bands. Viele davon waren aus Deutschland und werden heute dem Krautrock zugerechnet. Diesen Begriff verwendete seinerzeit allerdings niemand. Außerdem war die Musik von Band zu Band oft so unterschiedlich, wie Musik es überhaupt kaum sein kann. Eigentlich ließe sie sich daher gar nicht in einem Genre zusammenfassen. Der wohl von Musikmagazinen aus dem englischsprachigen Raum geprägte Begriff ist heute aber dafür um so verbreiteter.

Mit der konsequenten Einbeziehung der sich mehr als Kunstfiguren präsentierenden Akteure und des benutzten Equipments in das künstlerische Konzept hinterließ Grobschnitt einen bleibenden Eindruck. Hier wurden selbst Helfer wie zum Beispiel Roadys zu Mitgliedern der Band erklärt. Eine von den Effekten her begeisternde Live-Show zum einen, Akteure mit menschlicher Nähe zum Publikum zum anderen, dazu ein Equipment, von dem Vieles selbst gebaut war. Während die Überzahl deutscher Bands damals nur in englischer Sprache sangen, begannen andere wie seinerzeit beispielsweise Novalis, nur noch in deutscher Sprache zu singen. Grobschnitt legte sich dagegen sprachlich eben so wenig fest, wie auf einen Musikstil. Neben ausgedehnten Improvisationen gab es durchdacht komponierte und arrangierte Musikstücke. Nicht zuletzt ließen sie ihre Zuhörer immer deutlich ihren großen Spaß am Musik machen spüren!

Eine Kombination psychedelisch herüber kommender Synthesizer-Sounds mit Rockelementen fand man bei Eloy. Sphärische Klänge verbanden sich mit intuitiv gespielter und dennoch durchdacht komponierter und arrangierter Musik. Trotz exzessiver Nutzung derselben, ging Eloy textlich auf kritische Distanz zu Errungenschaften der technischen Zivilisation. In diesem Kontext vorhandene Einflüsse auf Sanaphantastron stehen neben solchen in Bezug auf die Melodik. Letzteres trifft auch für die weniger tiefgängig erscheinende Rockmusik von Jane mit ihren schönen Gitarrenparts und wohlklingenden Keyboardsounds zu.

 

Obgleich inzwischen zumeist dem Elektropop zugerechnet und damit dann in dieser Gliederung daher eher unter EDM einzuordnen, findet sich Kraftwerk hier unter 'Elektronik- und Krautrock'. Auf den ersten Alben von Kraftwerk waren durchgängige Rhythmen und Tanzbarkeit eher die Ausnahme. Das allererste, als Vorläufer von Kraftwerk noch unter dem Namen Organisation veröffentlichte Album erinnerte an vielen Stellen stark an 'Ummagumma' von Pink Floyd. Die weitere musikalische Entwicklung von Kraftwerk ist äußerst interessant. Experimentelle Ansätze von den ersten Alben wurden bei späteren Kompositionen wieder aufgegriffen und geschickt in oberflächlich betrachtet kommerzieller klingende Kompositionen mit durchgängig tanzbaren Rhythmen eingearbeit. Leider wurde ab einem gewissen Punkt aber alles nur noch immer perfekter. So kam von Kraftwerk etwa seit 'Computerwelt' musikalisch nur noch wenig wirklich Neues hinzu. Größere Einflüsse auf Sanaphantastron gibt es folglich eher von früheren Alben.

Die in Verbindung mit Krautrock beziehungsweise dem deutschen Elektronik-Rock oft genannten Bands Harmonia und Tangerine Dream zeichneten sich durch besonders große Experimentier-Freudigkeit aus. Obgleich auch typische Rock-Instrumente, darunter insbesondere E-Gitarren zu hören waren, hatten Versuche mit elektronischen Musikinstrumenten und Effektgeräten den größeren Anteil.

Zwar auf einer etwas anderen Ebene, aber keinesfalls minder experimentell waren Neu! und Can. Sie machten Dinge, an die sich andere bis dato nicht heranwagten. So versah beispielsweise Neu! die Musik absichtlich mit Störgeräuschen und präsentierte ihre Stücke erstmals in Art von 'Remixes' in verschiedenen Geschwindigkeiten. Die ungewöhlichen Art des Einsatzes von E-Gitarren durch den Gitarristen Michael Rother von Neu! und Harmonia haben eine bleibende Wirkung auf Che Guitare von Sanaphantastron.

Sanaphantastron und auch deren Vorgängerprojekte haben sich nie als Krautrock-Band oder Projekt gesehen. Wegen unserer geographischen Herkunft, der zumeist experimentellen Ansätze und der häufig aus Improvisationen entstandenen Musik, könnte man Sanaphantastron aber durchaus dem Krautrock und in jedem Falle dem Elektronik-Rock zurechnen.


Progressive- und Spacerock

Etwa parallel zur Abkehr vom Hardrock und vom Glamrock der früheren Siebziger Jahre und der Zuwendung zum Elektronik- und Krautrock deutscher Bands entwickelte sich auch unser Interesse an internationalen Musikern und Bands, die sich in einem ähnlichen experimentellen Metier bewegten. Mit größerer Nähe zum Hardrock fielen zunächst Hawkwind mit ihren "spacigen" Lead-Gitarrenparts, den extrem elektronisch verfremdeten Rock-Gitarrenriffs und den oft nur als begleitende Effekte eingesetzten Synthesizersounds auf. Diesen ausgeflippten Freaks schien es richtig Spaß zu machen, ihr Publikum durch Effekte, Show und nicht zuletzt ihren Sound in fremde Welten eintauchen zu lassen.

Hier angekommen, kam man natürlich nicht an Pink Floyd vorbei. Schon nahezu von Beginn an setzten sie für ihren seinerzeit bis dahin nicht gehörten futuristischen Sound, wie z.B. bei 'Astronomy Domini' exzessiv Echo-Effekte ein. Diese Geräte arbeiteten seinerzeit aus der Tonband-Technik entlehnt noch mit einer Bandschleife. Zunächst noch unkontrollierter, fanden sich mit zunehmender Absicht rhythmisch synchron eingesetzte Echo-Effekte. Außerdem hörte man als Vorläufer von Samples früh vorproduzierte Playback-Einlagen mit Soundeffekten. Die rockigen Lead-Gitarrenparts lösten sich bei Pink Floyd schon frühzeitig von den in der Rockmusik sonst fast schon dogmatischen Vorgaben der Blues-Tonleitern und wurden, wie auch bei Mike Oldfield, unter anderem durch melodische Einflüsse aus Volksmusik, Klassik und Musik fremder Kulturen ersetzt. Mike Oldfield setzte außerdem schon früh die Mehrspurtechnik als stilistisches Mittel ein. Auf seinem Debüt-Album 'Tubular Bells' präsentierte er Musik, bei der er als Teil des Werkes zeigte, dass mehrere gleichzeitig erklingende Musikinstrumente allesamt von ihm gespielt wurden. Bei Pink Floyd ersetzte leider ab einem gewissen Punkt die Perfektion das musikalische Ideenreichtum, weshalb die Einflüsse früherer Aufnahmen auf Sanaphantastron als größer zu bewerten sein dürften.

 

Bis zum Ausstieg von Peter Gabriel bzw. spätestens bis zum Ausstieg von Steve Hacket war die im wesentlichen handgespielte Musik von Genesis sehr weit vom Pop entfernt. Ohne viel Technik und Elektronik zeigten die Kompositionen und Arrangements umso größere Experimentier-Freudigkeit. Man wusste beim ersten Hören ihrer Songs an keiner Stelle, was als nächstes zu erwarten war. Genesis zeigte bis dahin deutlichen Abstand zum 'Main Stream' und legte sich nicht auf bereits existierende Stilrichtungen fest. Die Musik von den frühen Genesis hat in diesem Zusammenhang einen deutlichen Einfluss auf Sanaphantastron. Ein musikalischer Bezug ist insofern zu finden, als dass auch hier mitunter Wiederholungen in der Musik vermieden werden. Sie entwickelt sich innerhalb eines Stückes durch Variationen in Komposition, Harmonie und Arrangement. Wie beim Progressive Rock wird dann das bei Pop-Songs zumeist vorzufindene Schema aus Strophen und sich wiederholender Refrains verlassen. Musikstücke nehmen einen Verlauf, schreiten zu etwas möglicherweise völlig Unerwarteten fort.

Demgegenüber finden sich bei Sanaphantastron aber auch häufig repetitive Muster mit Gitarren-Riffs und Lead-Parts mit elektronisch verfremdeten Sounds bzw. -Riffs, sowie Synthesizerklängen, wie sie auch beim Spacerock zu finden sind. Die Lyrics streifen wie dort wiederholt Themen aus Zeit, Raum und Fiktion.

Ein Wirkung auf Sanaphantastron geht auch vom voller Ideen steckenden musikalischen Werk von Gong aus. Im Umfeld des Progressive Rock sollen hier außerdem von Jan Hammer und auch seiner Zusammenarbeit mit Jeff Beck ausgehenden Einflüsse auf Sanaphantastron nicht unerwähnt bleiben.


New Wave und Post Punk

Zunächst als Begriff verwendet, der für mehr oder weniger alles stand, was irgendwie mit Punk zu tun hatte, bezog sich New Wave in den 1980er Jahren zunehmend auf Bands, die mit dem ursprünglichen Punk immer weniger verband. Diese griffen andere Musikstile auf oder verwendeten Musikinstrumente, die untypisch für Punk waren. Sie verwendeten in ihrer Musik etwa auch oder gar nur noch Synthesizer oder wendeten sich äußerst experimenteller Musik zu, wie beispielsweise Tuxedomoon. Die frühen Human League (EP "Dignity Of Labour") erklärten im Sinne des No-Future sinngemäß, dass es für Musiker unausweichlich werde, zum Sklaven der technischen Entwicklung zu werden.

 

Als Abgrenzung zur ursprünglichen Bedeutung von New Wave kam der Begriff Post Punk auf. Bands entwickelten eigene gesellschafftskritische Philosophien, die sich vom No-Future-Dogma des Punk abgrenzten oder diese Denkrichtung weiterentwickelten, wie etwa Devo mit ihrer De-Evolutions-Theorie. Andere kehrten noch deutlicher von den Ausdrucksformen des typischen Punk ab, griffen aber die No-Future-Philosopie auf und erweiterten sie vor allem im musikalischen Sinne. Genannt seien hier stellvertretend Joy Division oder Siouxie And The Banshees. Die hervorragenden Gitarrensounds auf "Join Hands" hatten zwar im Geiste viel mit Punk zu tun, im musikalischen Sinne aber keinesfalls.

Für andere Bands stand einfach der Spaß am Musikmachen im Zentrum und man grenzte sich Punk-konform einfach nur deutlich vom Anspruchsdenken des Progressive Rock ab. Deshalb, aber möglicherweise auch nur, weil sie in dieser Zeit erfolgreich wurden und man sie anderswo kaum einzuordnen wusste, wurden zum Beispiel auch B52's meist dem New Wave zugerechnet. Mit Witz und (Selbst-)Ironie stand der "American Way of Life" im Mittelpunkt. Davon ausgehend entwickelte sich ein Lifestyle, der auch prägend für die deutsche New Wave, also die Neue Deutsche Welle (NDW) war.

Während Punk wohl kaum als Einfluss für Sanaphantastron anzusehen ist, gilt dies für viele und damit auch die hier aufgeführten Bands umsomehr, welche zu Vertretern der somit äußerst inhomogenen Genres New Wave und Post Punk gezählt werden.


Goa und Psytrance

Sanaphantastron sieht sich dem Goa insofern nahestehend, als in der Musik mitunter mit neurologischen Effekten experimentiert wird, welche auch durch den Konsum psychedelischer Drogen hervorgerufen werden können. Dabei lehnt Sanaphantastron den Konsum chemischer Drogen strikt ab, will für Akteure wie Konsumenten der Musik vielleicht selbst eher so etwas wie eine Droge sein. Als Mittel dienen beispielsweise fremde Tonskalen, sich modifizierende Klänge, hypnotisierenden Klangverläufe und repetitive Abläufe der Musik, die sich mit dynamisch und tonal entwickelnden Abläufen abwechseln.

Bei aller eingesetzten Technik und Elektronik werden bei Sanaphantastron als Klangerzeuger auch herkömmliche Instrumente wie Gitarren und Trommeln oder bei Aufnahmen auch Samples davon eingesetzt. Dies mitunter auch, um Spielarten präsentieren zu können, die sich handgespielt nicht machen ließen. Dabei lässt sich Sanaphantastron gern von anderen Musikern und Bands aus den Bereichen des Goa und Psytrance inspirieren.

 

Durch häufigen Einsatz von Echo-Effekten und sich in der Frequenz ändernden Filter-Effekten (VCF) erzielt etwa Astral Projection einen sehr gefälligen und rhythmisch durchdachten 'Space-Sound'. Eher nur unbewusst wahrnehmbar werden repititive Sequenzen häufig nur in Feinheiten modifiziert, was zu einer hypnotisierende Wirkung für Zuhörende führt.

Weil herkömmliche Instrumente hier inzwischen das Übergewicht bekommen haben, haben sich Infected Mushroom vom Goa- bzw. Trance-Projekt zur Psychedelic-Band gewandelt. Nach wie vor gibt es interessant und oft sehr organisch klingende Klänge. Besonders hervorzuheben sind auch auf die Vocals angewendeten elektronischen Effekte bis hin zur Unkenntlichkeit des Gesangs. Außerdem findet sich eine große Vielfalt in den Kompositionen. Anders wie bei vielen anderen Bands und Musikprojekten aus dem Umfeld des Trance laufen die Stücke von Infected Mushroom nicht nach "Schema F" ab, ständig ist mit Überraschungen zu rechnen.

Mit Bearbeitungen von One Of These Days (Pink Floyd) und Being Boiled (Human Legue) hört man bei Haldolium neben diversen Psytrance-typischen Nummern interessante Musik, die eigentlich aus anderen Genres stammt.

Bei großer musikalischer Vielfalt machen der spezielle Einsatz von Stimmen und die Verwendung von Samples klassischer Musikinstrumente wie Geigen oder Klavier den Reiz der grob im Bereich des Trance angesiedelten Musik von RMB aus. Im Wechsel mit interessanten Kompostionen bekommt man auch repetitive Beats und ausgedehnte Klangtepiche zu hören.


Electronica und EDM

Die vielen Varianten elektronischer Musik lassen sich grob unter den konträr zueinander stehenden Main-Genres Electronica und EDM zusammenfassen. Electronica steht für Stilrichtungen, die weniger massenkompatibel sind bzw. in größerer Entfernung zum 'Main Stream' stehen. Im Gegensatz dazu stehen die Subgenres der EDM (Electronic Dance Music) mit dem sich schon aus der Bezeichnung ergebenes Hauptmerkmal der Tanzbarkeit. Dieses Merkmal kann allerdings bei Electronica auch zu finden sein, muss aber nicht. Überschneidungen zwischen den Bereichen finden sich vor allem in den Bereichen des House, Trance und Techno. Eindeutig zum Bereich Electronica gehört beispielsweise elektronische Musik aus dem Bereich New Age bzw. solche, die völlig auf Rhythmus-Strukturen verzichtet. Als Gegenstück dazu ist beispielsweise Eurodance eindeutig dem Bereich EDM zuzurechnen.

Merkmale beider Richtungen sind die (fast) ausschließliche elekronische Klangerzeugung durch speziell dafür vorgesehene Geräte (z.B. Synthesizer, Sampler und Rhythmuscomputer) oder auch die softwarebasierte Musikerzeugung (Native Processing) per Computer, wie sie bei Sanaphantastron inzwischen sehr in den Vordergrund gerückt ist. Dies nicht nur bei den Aufnahmen, sondern auch live (hier allerdings keinesfalls ausschließlich). Nicht selten sind bei Musikstücken von Sanaphantastron alle Klänge synthetisch erzeugt, zum Teil inklusive des Drum-Sets und mitunter selbst die Gesangsstimmen. Etwa eben so häufig findet man aber auch Samples nicht elektronischer, akustischer oder elektrischer Instrumente. Dies mal in Kombination mit synthetischen Klängen, mal in konsequenter Ausschließlichkeit. Mit Ausnahme der Rhythmus-Instrumente sind die Samples immer selbst eingespielt bzw. erzeugt, insbesondere die umfangreichen Gitarren-Samples. Bei den nicht synthetischen Schlagzeugsounds von Sanaphantastron handelt es sich oft um mehr oder weniger stark modifizierte bzw. elektronisch verfremdete Samples bekannter Drumcomputer (u.a. vom Roland TR909) oder beliebiger perkussiver, teils selbst gesampelter Klänge. Bei Live-Auftritten kommen in Abkehr zu Electronica und EDM auch unmittelbar handgespielte akustische Rhythmus- und Meldodie-Instrumente sowie E-Gitarre, E-Bass und Keyboard zum Einsatz.

Grundsätzlich nicht festgelegt, kann Musik von Sanaphantastron mal mehr im Bereich Electronica, mal auch mehr im Bereich EDM angesiedelt sein. Im letzteren können auch parodistische Züge zu finden sein. Im Bereich der Sounds gibt es übergreifende Einflüsse, also zum Beispiel auch durch Synthesizer- und Sequenzer-Sounds aus Eurodance-Hits der 1990er Jahre. Weitere Inspirationen gibt es aus unzähligen Musikprojekten und Bands. Stellvertretend seien hier unter anderem Off, Snap!, Dune, aber auch Komputer, Dada Life und Mikron 64 genannt.

Gut tanzbare Rhythmen, eingängige Melodien, und gefällige Klangexperimente hört man bei Paul Van Dyk. Musik bekannter Künstler, die an sich wenig Interessantes zu bieten hat, erscheint bei ihm im neuen und unverkennbaren Gewand.

Ebensowenig festgelegt wie Sanaphantastron und damit als sehr bedeutender Einfluss dürfte auch Moby anzusehen sein.


Pop- und Disco-Musik

Für Musiker mit breiter gefächerterem Interesse wird zwangsläufig jede Musik, die sie zu hören bekommen, auch zum Einfluss ihrer eigenen Musik. Es macht also keinen Sinn zu bestreiten, dass es für Sanaphantastron auch Einflüsse durch Musik aus den Bereichen Pop und Disco gibt. Man war ja all zu oft geradezu gezwungen, solche Musik zu hören.

 

Werden Einflüsse solcher Musik von Sanaphantastron bewusst aufgegriffen, dann nicht selten ein wenig übersteigert. Obgleich Sanaphantastron wegen des kommerziellen Charakters solcher Musik eine distanzierte Haltung einnimmt, muss diese nicht generell abgelehnt werden. Auch dahinter stehen Musiker mit Ideen und oft auch sehr viel Können. Auch wenn dies eher die Ausnahme ist, gibt es hier sehr interessante Aufnahmen. Am meisten scheint das immer der Fall zu sein, wenn sich die Musiker mit ihren Ideen gegen die Vorstellungen der Plattenlabels durchgesetzt haben. Offenbar gelingt das aber nur selten bzw. Wenigen.

Interessanterweise finden sich ähnliche Mechanismen auch dort, wo man es nicht mit den Major-Labels zu tun hat. Während sich viele Musiker einerseits schon dadurch in ihrer künstlerischen Freiheit beschränken, indem sie sich den Stil einer oder weniger Bands zum Vorbild nehmen, begrenzen spezialisierte Labels die Musiker sehr häufig dadurch, dass von ihnen ein von anderen Bands oder Musikern bereits bekannter und klassifizierbarer Sound erwartet wird. Sanaphantastron lehnt daher z.B. Techno-, Punk- oder Heavy-Metal Labels zum Teil noch mehr ab, wie die Major-Labels.

Es gibt also keinen Grund für Peinlichkeit, viele der von Frank Farian produzierten Musik als gar nicht schlecht zu bewerten oder Spaß am Hören von bzw. Tanzen zu 'Pop Music' von M zu haben.


Dada und Fluxus

Sanaphantastron legt sich auf nichts fest, auch nicht darauf, dass es Einflüsse von der Dada-Bewegung geben könnte. Ähnlichkeiten mit dadaistischer Musik wären daher rein zufällig und nicht beabsichtigt. Würde an dieser Stelle ein dadaistischer Einfluss angegeben werden, widerspräche dies nämlich dem Dadaismus. Insofern besteht ein beabsichtigter Nicht-Einfluss eines aus Sicht der Dadaisten an und für sich ja auch gar nicht existenten Dadaismus.

Im Wesentlichen rebelliert Sanaphantastron gegen ein Wertesystem, in dem Musik eine Ware ist, die sich ausschließlich an Verkaufszahlen misst. Die Musik von Sanaphantastron muss nicht gut klingen, sie muss keine Ansprüche erfüllen, sie kann auch zufällig entstanden sein. Sie wird niemals exakt nachgespielt oder reproduziert werden und kann sich folglich live jedesmal anders anhören. Es gibt auch Musikstücke, die Unikate sind. Jene werden also überhaupt nur ein einziges Mal gespielt. Die Texte müssen weder anspruchsvoll noch sprachlich fehlerfrei sein. Dies kann aber auch zutreffen. Und dann dafür gegebenenfalls auch umso mehr.

Musik ist untrennbar mit dem Kontext ihres Entstehens verbunden. Das eigentliche Werk ist infolgedessen nicht das reine Hörerlebnis der Musik. Zum Werk gehören alle Akteure und welche Instrumente und Geräte sie verwenden. Jedes Objekt kann zum Instrument, jedes Klangeschehen zum Teil des Werkes werden. Infolge der Komplexität ist undefinierbar, was das eigentliche Werk eigentlich ist. Streng genommen müsste selbst die Ernährung der Akteure als Teil des Werkes angesehen werden.

Im Mittelpunkt der Musik von Sanaphantastron aber steht die schöpferische Idee. Infolge des fließenden Übergangs zwischen Musik und Leben beziehungsweise der Einheit von Musik und Leben ist letzlich unvorhersehbar, was davon beim Hörer ankommt. Was in jedem Falle vermieden werden soll, ist die Abgrenzung der Musik vom Leben. Daher frei im Sinne von Fluxus: Jeder Mensch ist ein Künstler, jeder Mensch ist ein Musiker! Und das Leben ist Musik, die Musik ist Leben!