Hier ist Sanaphantastron!

Wer Musik erschafft,

ist immer ein Echo dessen, was er selbst liebt.

Ob bewusst oder unbewusst: Alles, was wir hören, hinterlässt Spuren auf unserem kreativen Nährboden. Doch wir glauben nicht, dass man künstlerische Einflüsse einfach wie Zutaten auf einer Verpackung auflisten kann. Wir können zwar darüber sprechen, welche Musiker und Bands wir bewundern. Doch an welchen Stellen sich diese Inspiration in der eigenen Musik widerspiegelt, lässt sich selten am Reißbrett planen.

Echte Musik entspringt dem Herzen und drückt ein Lebensgefühl aus. Eine Botschaft auf einer Meta-Ebene, die Genre-Grenzen oft mühelos hinter sich lässt. Dieser Prozess läuft eher auf einer suggestiven Ebene ab: Ein Funke, der beim Hörer ankommt und eine ganz eigene Resonanz entfacht.

Deshalb findet ihr hier keine klassische Liste von „Einflüssen“, sondern unsere persönlichen Suggestionen. Also ein Blick auf all das, was bei Sanaphantastron einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.



Hard- und Glamrock

Mit ersten Band-Erfahrungen in der ersten Hälfte der 1970er Jahre wäre es unglaubwürdig, Einflüsse vom Glamrock zu bestreiten. Hätte man sich absichtlich dagegen gewehrt, so wäre es schließlich auch ein Einfluss gewesen. Das taten wir aber genauso wenig, wie wir uns so manchen Einfluss offen eingestanden. Wir spielten zunächst Rhythm and Blues, Zwölftakter-Blues rauf und runter. Man schnappte Themen von The Shadows auf. Die Verstärker wurden aufgedreht, dass es nur so krachte – und manchmal auch rauchte... Wir freuten uns über jeden elektronischen Effekt, der für noch mehr Verzerrung sorgte. Dazu Gesang, der nur aus wenigen spontan erfundenen Versen bestand. Für Partys und Gigs toupierten wir unsere langen Haare, schminkten unsere Gesichter, trugen mit Silber- oder Goldbronze aus dem Farbengeschäft angepinselte Plateau-Stiefel und verrückte, mitunter feminin anmutende Klamotten.

Sanaphantastron-Gitarrist Che Guitare übt im Alter von 14 Jahren in einem Raum seiner Schule E-Gitarre.

Man hörte Musik von Chart-Bands wie T.Rex, Slade, The Sparks, Nazareth und Alice Cooper. Oft wurden solche Formationen vor ihren ersten großen Hits zur Underground-Musik-Szene gerechnet. Das wertete sie ungemein auf. Als weniger wertig galten von Chinnichap produzierte Stars wie Suzi Quatro und Mud. Die ebenfalls von Mike Chapman und Nicky Chinn produzierten The Sweet waren unter uns angehenden Musikern bald als Teenie-Popper-Band verschrien. Sie brachten aber auf den B-Seiten ihrer Singles oft durchaus gute und von ihnen selbst komponierte Hard-Rock-Nummern. Dann waren da auch noch UFO, Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heep, Roxy Music, David Bowie und Rory Gallagher. Man wurde ernster genommen, wenn man sie als Vorbilder nannte.

Von den Vorbildern zur ersten eigenen Show


Alles, was wir hörten und sahen, griffen wir auf und neigten dabei zum Übertreiben. Obwohl in Deutschland zu dieser Zeit noch gänzlich unbekannt, war es wohl schon so etwas wie Punk, was dabei herauskam. Auf dem Schulfest vorgetragen, fühlten wir uns wie Stars und zeigten alle nur erdenklichen dazugehörenden Allüren. Wir beendeten unseren Auftritt zum Erschrecken des Publikums – als es sich gerade tanzend auf unseren Sound eingestimmt hatte – mit einem Streit über unsere Musik. Aber die Show machte uns Spaß. Wir setzten sie im Alltag fort und sprengten damit so manche Unterrichtsstunde in der Schule.

Ohne dass man diesen Begriff damals verwendete, wollten wir anfänglich eigentlich den Glamrock unserer Vorbilder machen. Wahrscheinlich wirkte es aber eher wie eine Persiflage davon. Zunächst mit Bezug auf Gary Glitter parodierten wir aber bald mit voller Absicht auch andere unserer bisherigen Idole. Wir suchten neue Vorbilder und wurden in den Bereichen Krautrock, Progressive Rock und Space-Rock fündig. Dennoch wird man die ersten Einflüsse nie ganz ablegen können, selbst wenn man es wollte. An irgendeinem Punkt gelangt man immer wieder ein Stück weit "back to the roots".



Elektronik- und Krautrock

Als unsere Musik Mitte der 1970er Jahre an Eigenständigkeit gewann und wir uns nicht mehr an den Charts orientierten, begann unser Interesse für unbekanntere Bands. Viele davon stammten aus Deutschland und werden heute dem Krautrock zugerechnet. Diesen Begriff verwendete seinerzeit allerdings niemand. Außerdem war die Musik von Projekt zu Projekt oft so unterschiedlich, wie Musik es überhaupt kaum sein kann. Eigentlich ließe sie sich daher gar nicht in einem Genre zusammenfassen. Der wohl von Musikmagazinen aus dem englischsprachigen Raum geprägte Begriff ist heute dafür umso verbreiteter.

Mit der konsequenten Einbeziehung der sich mehr als Kunstfiguren präsentierenden Akteure und des benutzten Equipments in das künstlerische Konzept hinterließ Grobschnitt einen bleibenden Eindruck. Hier wurden selbst Helfer wie zum Beispiel Roadies zu Mitgliedern der Band erklärt. Eine von den Effekten her begeisternde Live-Show zum einen, Akteure mit menschlicher Nähe zum Publikum zum anderen, dazu ein Equipment, von dem vieles selbst gebaut war. Während die Überzahl deutscher Bands damals nur in englischer Sprache sang, begannen andere, wie seinerzeit beispielsweise Novalis, nur noch auf Deutsch zu singen. Grobschnitt legte sich dagegen sprachlich ebenso wenig fest wie auf einen Musikstil. Neben ausgedehnten Improvisationen gab es durchdacht komponierte und arrangierte Musikstücke. Nicht zuletzt ließen sie ihre Zuhörer immer deutlich ihren großen Spaß am Musikmachen spüren!

Che Guitare macht im Übungsraum einen Soundcheck mit seiner Gitarre, die er mit einem selbstgebauten Verstärker spielt. Im Hintergrund ist außerdem ein ebenfalls selbstgebautes Tasteninstrument zu sehen.

Eine Kombination psychedelisch herüberkommender Synthesizer-Sounds mit Rockelementen fand man bei Eloy. Sphärische Klänge verbanden sich mit intuitiv gespielter und dennoch durchdacht arrangierter Musik. Trotz exzessiver Nutzung derselben ging Eloy textlich auf kritische Distanz zu Errungenschaften der technischen Zivilisation. In diesem Kontext vorhandene Einflüsse auf Sanaphantastron stehen neben solchen in Bezug auf die Melodik. Letzteres trifft auch für die weniger tiefgängig erscheinende Rockmusik von Jane mit ihren schönen Gitarrenparts und wohlklingenden Keyboardsounds zu.

Kraftwerk und die Pioniere des Synthesizers


Obgleich inzwischen zumeist dem Elektropop zugerechnet und damit in dieser Gliederung eher unter EDM einzuordnen, findet sich Kraftwerk hier unter "Elektronik- und Krautrock". Auf den ersten Alben von Kraftwerk waren durchgängige Rhythmen und Tanzbarkeit eher die Ausnahme. Das allererste, als Vorläufer von Kraftwerk noch unter dem Namen Organisation veröffentlichte Album erinnerte an vielen Stellen stark an "Ummagumma" von Pink Floyd. Die weitere musikalische Entwicklung von Kraftwerk ist äußerst interessant. Experimentelle Ansätze der ersten Alben wurden bei späteren Kompositionen wieder aufgegriffen und geschickt in oberflächlich betrachtet kommerzieller klingende Werke mit durchgängig tanzbaren Rhythmen eingearbeitet. Leider wurde ab einem gewissen Punkt alles nur noch immer perfekter. So kam von Kraftwerk etwa seit "Computerwelt" musikalisch nur noch wenig wirklich Neues hinzu. Größere Einflüsse auf Sanaphantastron gibt es folglich eher von früheren Werken.

Die in Verbindung mit Krautrock beziehungsweise dem deutschen Elektronik-Rock oft genannten Bands Harmonia und Tangerine Dream zeichneten sich durch besonders große Experimentierfreudigkeit aus. Obgleich auch typische Rock-Instrumente, darunter insbesondere E-Gitarren, zu hören waren, hatten Versuche mit elektronischen Musikinstrumenten und Effektgeräten den größeren Anteil. Zwar auf einer etwas anderen Ebene, aber keinesfalls minder experimentell waren Neu! und Can. Sie machten Dinge, an die sich andere bis dato nicht heranwagten. So versah beispielsweise Neu! die Musik absichtlich mit Störgeräuschen und präsentierte ihre Stücke erstmals in Art von "Remixes" in verschiedenen Geschwindigkeiten. Die ungewöhnliche Art des Einsatzes von E-Gitarren durch den Gitarristen Michael Rother von Neu! und Harmonia hat eine bleibende Wirkung auf Che Guitare von Sanaphantastron.

Sanaphantastron und auch deren Vorgängerprojekte haben sich nie als Krautrock-Band gesehen. Wegen unserer geografischen Herkunft, der zumeist experimentellen Ansätze und der häufig aus Improvisationen entstandenen Musik könnte man Sanaphantastron aber durchaus dem Krautrock und in jedem Falle dem Elektronik-Rock zurechnen.



Progressive- und Spacerock

Etwa parallel zur Abkehr vom Hardrock und Glamrock der früheren Siebzigerjahre und der Zuwendung zum Elektronik- und Krautrock entwickelten wir auch Interesse an internationalen Musikern, die sich in einem ähnlich experimentellen Metier bewegten. Mit größerer Nähe zum Hardrock fielen zunächst Hawkwind mit ihren "spacigen" Lead-Gitarrenparts, den extrem elektronisch verfremdeten Rock-Gitarrenriffs und den oft nur als begleitende Effekte eingesetzten Synthesizersounds auf. Diesen ausgeflippten Freaks schien es richtig Spaß zu machen, ihr Publikum durch Show und Sound in fremde Welten eintauchen zu lassen.

Hier angekommen, kam man natürlich nicht an Pink Floyd vorbei. Schon nahezu von Beginn an setzten sie für ihren seinerzeit futuristischen Sound, wie z. B. bei "Astronomy Domine", exzessiv Echo-Effekte ein. Diese Geräte arbeiteten damals, aus der Tonband-Technik entlehnt, noch mit einer Bandschleife. Zunächst noch unkontrollierter, fanden sich mit zunehmender Absicht rhythmisch synchron eingesetzte Echos. Außerdem hörte man als Vorläufer von Samples früh vorproduzierte Playback-Einlagen mit Soundeffekten. Die rockigen Lead-Gitarrenparts lösten sich bei Pink Floyd schon frühzeitig von den in der Rockmusik sonst fast schon dogmatischen Vorgaben der Blues-Tonleitern und wurden, wie auch bei Mike Oldfield, unter anderem durch melodische Einflüsse aus Volksmusik, Klassik und Musik fremder Kulturen ersetzt.

Fahco Labuel experimentiert mit Klängen eines Korg MS-20 Synthesizers. Im Hintergrund sind Racks mit Effektgeräten zu sehen.

Zwischen sphärischen Echos und komplexen Arrangements


Mike Oldfield setzte außerdem schon früh die Mehrspurtechnik als stilistisches Mittel ein. Auf seinem Debütalbum "Tubular Bells" präsentierte er Musik, bei der er als Teil des Werkes zeigte, dass mehrere gleichzeitig erklingende Musikinstrumente allesamt von ihm gespielt wurden. Bei Pink Floyd ersetzte leider ab einem gewissen Punkt die Perfektion den musikalischen Ideenreichtum, weshalb die Einflüsse früherer Aufnahmen auf Sanaphantastron als größer zu bewerten sein dürften.

Bis zum Ausstieg von Peter Gabriel bzw. spätestens von Steve Hackett war die im Wesentlichen handgespielte Musik von Genesis sehr weit vom Pop entfernt. Ohne viel Technik zeigten die Kompositionen umso größere Experimentierfreudigkeit. Man wusste beim ersten Hören ihrer Songs an keiner Stelle, was als Nächstes zu erwarten war. Genesis zeigte bis dahin deutlichen Abstand zum Mainstream und legte sich nicht auf existierende Stilrichtungen fest. Die Musik der frühen Genesis hat in diesem Zusammenhang einen deutlichen Einfluss auf Sanaphantastron. Ein musikalischer Bezug ist insofern zu finden, als auch hier mitunter Wiederholungen vermieden werden. Sie entwickelt sich innerhalb eines Stückes durch Variationen in Komposition, Harmonie und Arrangement. Wie beim Progressive Rock wird dann das bei Pop-Songs zumeist vorzufindene Schema aus Strophen und sich wiederholenden Refrains verlassen. Musikstücke nehmen einen Verlauf, schreiten zu etwas möglicherweise völlig Unerwartetem fort.

Demgegenüber finden sich bei Sanaphantastron aber auch häufig repetitive Muster mit Gitarren-Riffs und Lead-Parts mit elektronisch verfremdeten Sounds sowie Synthesizerklängen, wie sie auch beim Spacerock zu finden sind. Die Lyrics streifen wie dort wiederholt Themen aus Zeit, Raum und Fiktion. Eine Wirkung auf Sanaphantastron geht auch vom voller Ideen steckenden musikalischen Werk von Gong aus. Im Umfeld des Progressive Rock sollen hier außerdem die von Jan Hammer und seiner Zusammenarbeit mit Jeff Beck ausgehenden Einflüsse nicht unerwähnt bleiben.



New Wave und Post Punk

Zunächst als Begriff verwendet, der für fast alles stand, was mit Punk zu tun hatte, bezog sich New Wave in den 1980er Jahren zunehmend auf Bands, die mit dem ursprünglichen Punk immer weniger verband. Diese griffen andere Stile auf oder verwendeten Musikinstrumente, die untypisch für Punk waren. Sie nutzten etwa auch oder gar nur noch Synthesizer oder wandten sich äußerst experimenteller Musik zu, wie beispielsweise Tuxedomoon. Die frühen Human League (EP "Dignity Of Labour") erklärten im Sinne von No-Future sinngemäß, dass es für Musiker unausweichlich werde, zum Sklaven der technischen Entwicklung zu werden.

Che Guitare als Gitarrist einer Punkband in einem Jugendclub. Sein Supreme-Röhrenverstärker steht vor der Bassdrum.

Als Abgrenzung zur ursprünglichen Bedeutung von New Wave kam der Begriff Post Punk auf. Bands entwickelten eigene gesellschaftskritische Philosophien, die sich vom No-Future-Dogma des Punk abhoben oder diese Denkrichtung weiterentwickelten, wie etwa Devo mit ihrer De-Evolutions-Theorie. Andere kehrten noch deutlicher von den Ausdrucksformen des typischen Punk ab, griffen aber die No-Future-Philosophie auf und erweiterten sie vor allem im musikalischen Sinne. Genannt seien hier stellvertretend Joy Division oder Siouxsie and the Banshees. Die hervorragenden Gitarrensounds auf "Join Hands" hatten zwar im Geiste viel mit Punk zu tun, im musikalischen Sinne aber keinesfalls.

Für andere Bands stand einfach der Spaß am Musikmachen im Zentrum und man grenzte sich punk-konform einfach nur deutlich vom Anspruchsdenken des Progressive Rock ab. Deshalb, aber möglicherweise auch nur, weil sie in dieser Zeit erfolgreich wurden und man sie anderswo kaum einzuordnen wusste, wurden zum Beispiel auch die B-52's meist dem New Wave zugerechnet. Mit Witz und (Selbst-)Ironie stand der "American Way of Life" im Mittelpunkt. Davon ausgehend entwickelte sich ein Lifestyle, der auch prägend für die deutsche New Wave, also die Neue Deutsche Welle (NDW), war. Während Punk wohl kaum als Einfluss für Sanaphantastron anzusehen ist, gilt dies für viele der hier aufgeführten Bands umso mehr.



Goa und Psytrance

Sanaphantastron sieht sich dem Goa insofern nahestehend, als in der Musik mitunter mit neurologischen Effekten experimentiert wird, welche auch durch den Konsum psychedelischer Drogen hervorgerufen werden können. Dabei lehnt Sanaphantastron den Konsum chemischer Drogen strikt ab; die Musik will für Akteure wie Konsumenten vielleicht selbst eher so etwas wie eine Droge sein. Als Mittel dienen beispielsweise fremde Tonskalen, sich modifizierende Klänge, hypnotische Klangverläufe und repetitive Abläufe, die sich mit dynamisch entwickelnden Passagen abwechseln.

Che Guitare präsentiert seinen damals neuesten, selbstgebauten Gitarrenverstärker. Hinter ihm steht eine ebenfalls selbstgebaute PA-Lautsprecherbox.

Bei aller eingesetzten Technik werden bei Sanaphantastron als Klangerzeuger auch herkömmliche Instrumente wie Gitarren und Trommeln oder Samples davon eingesetzt. Dies mitunter auch, um Spielarten präsentieren zu können, die sich handgespielt nicht umsetzen ließen. Dabei lässt sich Sanaphantastron gern von anderen Musikern aus den Bereichen Goa und Psytrance inspirieren.

Durch häufigen Einsatz von Echo-Effekten und sich in der Frequenz ändernden Filter-Effekten (VCF) erzielt etwa Astral Projection einen sehr gefälligen und rhythmisch durchdachten "Space-Sound". Eher unbewusst wahrnehmbar werden repetitive Sequenzen häufig nur in Feinheiten modifiziert, was zu einer hypnotischen Wirkung führt. Weil herkömmliche Instrumente hier inzwischen das Übergewicht bekommen haben, haben sich Infected Mushroom vom Goa-Projekt zur Psychedelic-Band gewandelt. Nach wie vor gibt es interessante und oft sehr organisch anmutende Klänge. Besonders hervorzuheben sind auch die auf die Vocals angewendeten elektronischen Effekte bis hin zur Unkenntlichkeit des Gesangs. Anders als bei vielen anderen Projekten aus dem Umfeld des Trance laufen die Stücke von Infected Mushroom nicht nach "Schema F" ab; ständig ist mit Überraschungen zu rechnen.

Mit Bearbeitungen von "One Of These Days" (Pink Floyd) und "Being Boiled" (Human League) hört man bei Haldolium neben diversen Psytrance-typischen Nummern interessante Musik, die eigentlich aus anderen Genres stammt. Bei großer musikalischer Vielfalt machen der spezielle Einsatz von Stimmen und die Verwendung von Samples klassischer Instrumente wie Geigen oder Klavier den Reiz der Musik von RMB aus.



Electronica und EDM

Die vielen Varianten elektronischer Musik lassen sich grob unter den konträr zueinander stehenden Genres Electronica und EDM zusammenfassen. Electronica steht für Stilrichtungen, die weniger massenkompatibel sind bzw. in größerer Entfernung zum Mainstream stehen. Im Gegensatz dazu stehen die Subgenres der EDM (Electronic Dance Music) mit dem Hauptmerkmal der Tanzbarkeit. Dieses Merkmal kann allerdings bei Electronica auch zu finden sein.

Die moderne Klangerzeugung bei Sanaphantastron


Merkmale beider Richtungen sind die (fast) ausschließliche elektronische Klangerzeugung durch Synthesizer, Sampler und Rhythmuscomputer oder auch die softwarebasierte Musikerzeugung (Native Processing), wie sie bei Sanaphantastron inzwischen im Vordergrund steht. Dies nicht nur bei den Aufnahmen, sondern auch live (hier allerdings keinesfalls ausschließlich). Nicht selten sind bei Musikstücken von Sanaphantastron alle Klänge synthetisch erzeugt. Etwa ebenso häufig findet man aber auch Samples akustischer oder elektrischer Instrumente. Mit Ausnahme der Rhythmus-Instrumente sind die Samples immer selbst eingespielt, insbesondere die umfangreichen Gitarren-Samples. Bei Live-Auftritten kommen in Abkehr zu Electronica und EDM auch unmittelbar handgespielte Instrumente wie E-Gitarre, E-Bass und Keyboard zum Einsatz.

Die Musik von Sanaphantastron kann mal mehr im Bereich Electronica, mal mehr im Bereich EDM angesiedelt sein. Im letzteren können auch parodistische Züge zu finden sein. Weitere Inspirationen gibt es aus unzähligen Projekten. Stellvertretend seien hier Off, Snap!, Dune, aber auch Komputer, Dada Life und Mikron 64 genannt. Gut tanzbare Rhythmen und gefällige Klangexperimente hört man bei Paul van Dyk. Musik bekannter Künstler erscheint bei ihm im neuen und unverkennbaren Gewand. Ebenso wenig festgelegt wie Sanaphantastron und damit als sehr bedeutender Einfluss dürfte auch Moby anzusehen sein.



Pop- und Disco-Musik

Für Musiker mit breit gefächertem Interesse wird zwangsläufig jede Musik, die sie zu hören bekommen, zum Einfluss. Es macht also keinen Sinn zu bestreiten, dass es für Sanaphantastron auch Einflüsse aus den Bereichen Pop und Disco gibt. Man war ja allzu oft geradezu gezwungen, solche Musik zu hören. Werden diese Einflüsse bewusst aufgegriffen, dann nicht selten ein wenig übersteigert. Obgleich Sanaphantastron wegen des kommerziellen Charakters eine distanzierte Haltung einnimmt, muss diese Musik nicht generell abgelehnt werden. Auch dahinter stehen Musiker mit Ideen und viel Können. Am meisten scheint das der Fall zu sein, wenn sich die Musiker gegen die Vorstellungen der Plattenlabels durchgesetzt haben.

Che Guitare begleitet eine befreundete Sängerin im Proberaum auf seiner E-Gitarre.

Interessanterweise finden sich ähnliche Mechanismen auch dort, wo man es nicht mit Major-Labels zu tun hat. Während viele Musiker ihre Freiheit beschränken, indem sie sich den Stil einer einzigen Band zum Vorbild nehmen, begrenzen Labels die Musiker oft dadurch, dass ein bereits klassifizierbarer Sound erwartet wird. Sanaphantastron lehnt daher spezialisierte Labels zum Teil noch mehr ab als die Major-Labels. Es gibt also keinen Grund für Peinlichkeit, die von Frank Farian produzierte Musik als gar nicht schlecht zu bewerten oder Spaß an "Pop Music" von M zu haben.



Dada und Fluxus

Sanaphantastron legt sich auf nichts fest, auch nicht darauf, dass es Einflüsse von der Dada-Bewegung geben könnte. Ähnlichkeiten wären daher rein zufällig. Würde an dieser Stelle ein dadaistischer Einfluss angegeben, widerspräche dies nämlich dem Dadaismus. Insofern besteht ein beabsichtigter Nicht-Einfluss eines aus Sicht der Dadaisten an und für sich ja auch gar nicht existenten Dadaismus.

Im Wesentlichen rebelliert Sanaphantastron gegen ein Wertesystem, in dem Musik eine Ware ist, die sich ausschließlich an Verkauungszahlen misst. Die Musik von Sanaphantastron muss nicht gut klingen, sie kann auch zufällig entstanden sein. Sie wird niemals exakt reproduziert werden und kann sich folglich live jedes Mal anders anhören. Die Texte müssen weder anspruchsvoll noch sprachlich fehlerfrei sein. Dies kann aber auch zutreffen – und dann dafür gegebenenfalls umso mehr.

Musik ist untrennbar mit dem Kontext ihres Entstehens verbunden. Zum Werk gehören alle Akteure und Geräte. Jedes Objekt kann zum Instrument werden. Streng genommen müsste selbst die Ernährung der Akteure als Teil des Werkes angesehen werden. Im Mittelpunkt steht die schöpferische Idee. Infolge der Einheit von Musik und Leben ist letztlich unvorhersehbar, was beim Hörer ankommt. Frei im Sinne von Fluxus: Jeder Mensch ist ein Künstler, jeder Mensch ist ein Musiker! Und das Leben ist Musik, die Musik ist Leben!



Und was ist daraus entstanden?

Wenn du die Suggestionen erkundet hast, gibt es ganz unten auf der Genres-Seite die musikalische Antwort von Sanaphantastron. Mit Bildern, Lyrics und Hintergrund-Infos zu jedem Track, den du dir dort anhören kannst!